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BiPRO-Normen: „Proaktives Handeln ist besser als auf die Regulierung zu warten“


10.07.2014  |  Interviews

Die Brancheninitiative BiPRO optimiert branchenweit fachliche und technische Normen für unternehmensübergreifende Geschäftsprozesse in der Assekuranz. BiPRO-Präsident Frank Schrills (Foto) zieht eine Zwischenbilanz.

VSP: Welches sind die Haupthindernisse für eine rasche Verbreitung der BiPRO-Normen in der Versicherungswirtschaft?

Frank Schrills: Auf dem BiPRO-Tag am 25./26. Juni 2014 im Swissôtel in Düsseldorf/Neuss – nebenbei bemerkt mit einer Rekordbeteiligung von über 330 Teilnehmern - haben wir genau diese Frage in diversen Foren erörtert. Hindernisse in dem Sinne gibt es eigentlich nicht. Der BiPRO e.V., als neutrale, unabhängige Normierungsinstanz, gibt allen Marktteilnehmern die Möglichkeit, Normen mit zu erarbeiten. Das ist die Erfolgsformel dafür, alle Player an einen Tisch zu bringen. Aber in der Tat steht die Branche vor der Herausforderung, die bestehenden IT-Systeme voll „prozessfit“ zu machen. Dies ist insbesondere bei bereits lang laufenden Kernsystemen nicht immer einfach. Hier gilt es dennoch schneller zu werden, um die von der Branche definierten Normen umfänglich in den Markt zu bringen - auch bevor man von drohenden gesetzlichen Regulierungen zu stark beeinflusst wird.

VSP: Wie fällt Ihr Zwischenfazit ein Jahr nach Start der Kooperation mit dem GDV aus?

Schrills: Über die gemeinsame Schnittmenge der Versicherer sind wir bereits von Anfang an „verdrahtet“ gewesen. Inzwischen konkretisiert sich die Aufgabenteilung und -ergänzung zwischen GDV und BiPRO. Dies ist wichtig, um zum Beispiel redundante Normentwicklung im Markt zu verhindern und den Marktteilnehmern damit Investitionsschutz und Planungssicherheit zu geben. Auf dieser Basis sind wir grundsätzlich seit letztem Jahr große Schritte vorangekommen. Details werden hier in der nahen Zukunft noch kommuniziert.

VSP: Von Maklerseite kommt bisweilen die Kritik "zu teuer, zu komplex, zu unvollständig". Wie reagieren Sie darauf?

Schrills: Zunächst: Der Standardisierung vor dem Hintergrund der Digitalisierung unserer Branche kommt eine entscheidende Bedeutung zu, sie fällt jedoch nicht vom Himmel. In Normen gehen Bedarfe und Positionen unterschiedlichster Marktteilnehmer ein. Es gilt überdies, die bereits existierenden Prozesse und Produkte in die Normierung mit einzubeziehen.

So ist die Implementierung eines ersten BiPRO-Services gegenüber einem proprietären Service oft sicherlich komplexer, aber bereits mit der standardisierten Anbindung von zwei oder drei Partnern rechnet sich laut der Erfahrungen vieler Anwender BiPRO bereits. Oder anders ausgedrückt: Der Kostenfaktor bei BiPRO ist im Verhältnis des Mehrwerts bei Servicesteigerung und Kostensenkung eher gering.

An der Vollständigkeit arbeitet die Community selbst kontinuierlich weiter, wobei über alle Sparten hinweg sowohl im Bereich der Neu- als auch der Bestandsprozesse bereits ein hoher Abdeckungsgrad besteht. Auch die standardisierte Übertragung von Dokumenten und Dateien (zum Beispiel Policen, Statusmeldungen etc.) sind via BiPRO möglich.

Schließlich: Da sowohl Provider (Versicherer) als auch Consumer (Vermittler, Vertriebe, Pools etc.) immer mehr BiPRO-Schnittstellen anbieten, wird der Einsatz von BiPRO ständig attraktiver, günstiger und bietet somit nachhaltigen Investitionsschutz.
 
VSP: Sie haben einige der großen Maklerpools mit im Boot. Welche Rolle spielen die Pools bei Entwicklung, Umsetzung und Akzeptanz der Normen?

Schrills: Die Maklerpools sind bei der Entwicklung und Umsetzung der Normen ebenso gefordert wie die anderen Marktteilnehmer. Ihnen kommt hierbei eine wichtige Rolle als Multiplikator zu, da sie einerseits viele Consumer quasi stellvertretend repräsentieren, andererseits als große Partner der Versicherer mit ihnen eine hohe Stückzahl von Geschäftsprozessen abwickeln.

VSP: Inwieweit wirkt sich die fortschreitende Regulierung des Marktes auf die Anerkennung der BiPRO-Normen aus?

Schrills: Mit zunehmender staatlicher Aktivität, besonders seitens der EU, zieht sich die Schlinge um die Branche ein Stück zu. Hier ist tatsächlich Geschwindigkeit gefordert, bevor man rechts von der Politik überholt wird. Ich denke, dass immer mehr erkannt wird, lieber selbst proaktiv und transparent zu handeln, als staatliche Vorgaben dann später akzeptieren zu müssen. So können wichtige Freiheitsgrade in prozessualen Themen behalten werden. Die Wichtigkeit des BiPRO e.V. als neutrale unabhängige Normierungsinstanz, in der alle Marktteilnehmer die Möglichkeit haben Normen zu erarbeiten, wird von der Branche in diesem Zusammenhang inzwischen klar erkannt und bestärkt uns in unserem Handeln. Vor diesem Hintergrund werden bereits Gespräche mit dem DIN geführt, um die Belange der Branche auch auf dieser Normierungsebene einzubringen.

VSP: Nicht alle Maklerverwaltungsprogramme (MVP) integrieren bisher die BiPRO-Normen, wie überzeugen Sie die Hersteller von Software von ihrem Projekt und woran scheitert dies bisweilen?

Schrills: Viele wichtige MVP-Hersteller sind Mitglied in unserem Verein und bieten sukzessive immer mehr BiPRO-normierte Geschäftsprozesse an. Ein Teil der MVP fußt jedoch noch immer auf veralteten technischen Grundlagen. Der Einsatz von BiPRO erfordert hier entsprechende Investitionen. Zwischenzeitlich ist jedoch klar, dass der Markt auf BiPRO setzt. Die Nutzung von Standards bzw. einer gemeinschaftlichen digitalen Sprache zur Optimierung der Geschäftsprozesse ist mittlerweile unabdingbar. Oberste Prämisse ist hiermit zukünftig wettbewerbsfähig als Branche und als einzelnes Unternehmen bleiben zu können. Beim Blick in die Zukunft ist daher anzumerken, dass derjenige, der den Markt-Standard nicht bedienen kann, irgendwann nicht mehr mitspielt.

VSP: Haben Sie ein messbares Ziel für 2015 für BiPRO e.V.?

Schrills: Für 2015 ist eine Implementierungsoffensive geplant, die viele Mitglieder an einen Tisch bringt. Hier waren wir in der Vergangenheit sehr erfolgreich. Natürlich ist es das Ziel, auch für die neue Implementierungsoffensive wieder viele Mitglieder zu gewinnen. Aber jedes Unternehmen entscheidet letztlich selbständig, wann ein Partner über BiPRO-Normen angebunden wird. Daher kann es keine konkrete Vorgabe geben.

Ein weiteres Ziel im Jahre 2015 besteht darin, BiPRO-Mitglieder bei der technischen Implementierung von Normen zu unterstützen, indem Referenzimplementierungen, verbesserte Dokumentationen sowie zusätzliche Informationen/Schulungsmaßnahmen angeboten werden. Das wird, da bin ich mir sicher, dem Verein und der Standardisierung unserer Branche weiter Aufwind verleihen.

Foto: BiPro e.V.

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