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BiPRO-Tag 2014: Noch ein weiter Weg bis zum Branchenstandard


25.06.2014  |  Beratung, Verwaltung, Vergleich,

Einheitliche Branchenstandards für Normen und Prozesse im Datenaustausch der Assekuranz sind das Ziel der in BiPRO e.V. zusammengeschlossenen Unternehmen. Beim BiPRO-Tag 2014 wurde ein Kaleidoskop engagierter Projekte vorgestellt und ein Einblick in die Arbeit der Normierungsinitiativen gegeben.

Star-Speaker am ersten der beiden BiPRO-Tage am 25. und 26. Juni war FDP-Bundesvorsitzender Christian Lindner. Der liberale Spitzenmann sprach eine Stunde über „Ordnung für den Datenmarkt“ und prognostizierte, dass IT-Konzerne mit großer Marktmacht wie Google bis in zehn Jahren mit eigenen Versicherungsangeboten mit maßgeschneiderten Prämien am Markt agieren werden.
Er kritisierte den Google-Chef, den er mit „Wenn es Dinge gibt, von denen sie nicht wollen, dass sie alle erfahren dann tun sie einfach nicht“ zitierte. Lindner erkennt in dieser Sichtweise eine empfindliche Freiheiteinschränkung und fragte scherzhaft und überspitzt: „Womöglich kann es Auswirkungen auf meine Versicherungsbedingungen in der Krankenversicherung haben, wenn ich nachts um 2 Uhr nach Andrea Nahles google?“

Neue europäische Standards im Datenschutzrecht seien daher dringend nötig, so der Politiker. Strafen für Fehverhalten großer IT-Konzerne sollten seiner Ansicht nach prozentual am Umsatz festgelegt werden. Lindner beklagte, dass es anders als bei der Luft- und Raumfahrt kein europäisches Gegengewicht zu den USA, keine konzertierte Aktion gebe: „Wo ist ein gemeinsamer europäischer Datenschutzstandard, warum entwickeln wir nicht einen weltweit führenden Kryptographie-Standard? Wo ist das europäische Cloud Computing?“, fragte Lindner. Stattdessen beschäftige sich die EU mit der Abschaffung von Glühbirnen und Olivenölkännchen auf Restauranttischen.

Leider sei die Politik recht stimmungsabhängig geworden und würde bei auftauchenden Problemen allzu schnell zur Regulierungsvorhaben greifen. „Wir haben die Aufgabe, dass Marktordnung und Regulierung die Innovation bei Normen und Prozessen nicht verhindern oder erschweren darf“, so Lindner, der sehr viel Applaus der Versicherungsexperten erhielt.
Die Veranstaltungen des BiPRO-Tages waren übersichtlich in thematisch getrennten Foren aufgeteilt – Strategie, Markt & Vertrieb, Recht sowie Anwender & Entwickler. Frank Schrills, Geschäftsführender Präsident des BiPRO e.V. begrüßte die rund 300 Teilnehmer und gab einen Überblick über die Rahmenbedingungen, in denen der Verein agiert. So soll das Niveau der Zusammenarbeit mit den Versicherern weiter steigen, eine Zertifizierung der Normen ist geplant. Maklern wird geraten, lediglich solche Maklerverwaltungsprogramme zu nutzen, die die BiPRO-Normen umgesetzt haben. Generell lautete das Fazit, sei die Versicherungsbranche leider recht langsam mit der Umsetzung von Branchenstandards.

Besonders interessant sind die aktuellen Projektberichte aus der Praxis. So erläuterte Andrea Sturmfels, Projektleiterin der Helvetia, die Erfahrungen des Versicherers nach einem Jahr der BiPRO-Umsetzung in Bezug auf die Prozessbeschleunigung im Antragsprozess. Sturmfels zog ein gemischtes Fazit und wies auf eine Reihe von Widerständen sowohl bei den Maklern als auch bei den Maklerbetreuern hin. Akzeptanzprobleme gingen sowohl von der noch längst nicht über alle Versicherer möglichen Arbeiten mit den BiPRO-Normen, als auch mit der mangelnden Tiefe bei den einbezogenen Produktsparten einher. Makler müssten aktiv überzeugt werden, auch Teilprozesse mit der Helvetia zu gestalten. Fazit: es sei sehr viel Überzeugungsarbeit an allen Fronten von Nöten. Heißt die Zukunft also BiPRO? „Wir orientieren uns an den Wünschen unserer Vertriebspartner“, so Sturmfels diplomatisch.

Weitere Projektberichte kamen von der VDV GmbH („Marktprozesse zur Schadenbearbeitung“) und den VDVM („Vermittlerabrechnung“). Beide BiPRO-Projekte wollen die Effizienz der betreffenden Prozesse steigern und sind so gut wie abgeschlossen beziehungsweise führen zur Erstellung neuer Normen. Die Implementierungen seien im Herbst dieses Jahres geplant, nachdem die BiPRO-Gremien die neuen Normen anerkannt haben.

Fotos: Oliver Lepold

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