Kommentar von Martin Kinadeter zum nachfolgenden Artikel

„Die Hindernisse der Digitalisierung in der Assekuranz“

Digitalisierung bietet, wie richtig bemerkt wird, im Grunde viele gute Chancen für Versicherungen.

Dazu aber benötigt gerade auch das Führungspersonal immer mehr interdisziplinäres Wissen aus Marketing, Vertrieb, IT…

Das Problem und damit die Herausforderung an alle Ebenen und Handlungsfelder ist durchaus bekannt, kann aber nur durch eine ganzheitliche Betrachtungsweise derselben gelöst werden. Denn es nützt nichts, ohne umfassende Strategie in eine Richtung zu laufen, die gerade „als Sau durchs Dorf getrieben wird“.

Wenn sie diesen Ansatz aufgreifen, haben Versicherungen und ihre Vertriebe heute nach wie vor große Chancen weiter zu wachsen. Nutzen Sie die Chancen, sich strategisch gut aufzustellen und sich Know-How anzueignen, dass Sie auf keiner Universität finden. Interdisziplinäres Wissen ist gefragt!

Aber wer ist nun der richtige Berater, um Angebot und Strukturen ganzheitlich und individuell zu entwickle und aufzustellen? Wer hat die notwendige Übersicht im Markt und ist unabhängig bei der Auswahl von Produktgebern?

VSP bietet ganzheitliche intelligente Vermarktungsstrategien in Verbindung mit den neuesten Technologien an.

Kontakt: info@versicherungssoftwareportal.de


Artikel: “Die Hindernisse der Digitalisierung in der Assekuranz”

19.11.2015 – Die Digitalisierungs-Thematik brennt der Assekuranz erkennbar immer stärker auf den Nägeln. Das spiegelt sich im Motto „Chancen der digitalen Welt“ des „Versicherungstags 2015“, der vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft in der kommenden Woche veranstaltet wird, ebenso wider, wie in zahlreichen Veranstaltungen und Studien. So hat die Unternehmensberatung Odgers Berndtson in einer Umfrage bei Führungskräften Unsicherheit und Wissenslücken festgestellt, Sopra Steria hat Sicherheitsmängel als Hürde identifiziert.

Eigentlich ist insbesondere der Umgang mit Big Data für die Versicherer ein uralter Hut, denn sie sammeln und nutzen Daten seit eh und je. Schließlich könnten sie die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses anders gar nicht abschätzen und damit auch keine Risiken absichern, konstatiert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) mit Blick auf den Versicherungstag 2015 in der nächsten Woche in einem Themenschwerpunkt.

Mit der Digitalisierung tut sich die Branche ganz generell dennoch ziemlich schwer, lässt der Spitzenverband anklingen. Das Mehr an Daten, das dadurch generiert werden könne, bringe alleine nämlich wenig. Die Versicherer müssten auch in der Lage sein, „die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen“.

Geschäftsmodell wird radikal verändert

Schon dies erfordere hohe Investitionen. Hinzu komme andererseits, dass die digitale Zukunft zugleich das Geschäftsmodell der Assekuranz radikal verändere.

Betroffen davon seien der Vertrieb, das Marketing und die Produktgestaltung gleichermaßen, ebenso der Datenschutz und die Datensicherheit.

Selbst der Solidaritätsgedanke als Grundprinzip der Versicherung werde von manchen in Gefahr gesehen, wenn die Auswertung von immer mehr Verhaltensdaten der Versicherten zu immer individuelleren Prämienkalkulationen führten.

Verändertes Kundenverhalten erzwingt eine Reaktion der Versicherer

Aufzuhalten ist die Digitalisierung aber auch in der Versicherungsbranche nicht mehr. Grund ist vor allem das veränderte Kundenverhalten.

Diese Botschaft prägt allenthalben die sich häufenden Veranstaltungen zu der Thematik (VersicherungsJournal 17.11.2015, 13.11.2015). Den Entscheidungsträgern in der Versicherungswirtschaft ist das offenbar auch voll bewusst.

Unsicherheit bremst das hohe Bewusstsein für den Handlungsbedarf aus

Dass Unsicherheit dieses hohe Bewusstsein für den Handlungsbedarf ausbremst, diesen Schluss legt eine neue Studie der Odgers Berndtson Unternehmensberatung GmbH nahe.

In deren Rahmen waren von August bis Oktober 2015 insgesamt über 200 Vorstände deutscher Versicherungs-Unternehmen aller Gesellschaftsformen zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf ihr Geschäftsmodell und damit einhergehend auf das Humankapital befragt worden.

34 Vorstände antworteten laut Unternehmensangaben über eine Online-Plattform, sechs weitere sowie ein Hochschulprofessor in einem persönlichen Interview. Aus dem Bild, das sich daraus ergibt, lässt sich ein hohes Maß an Unsicherheit und mangelndem Wissen ableiten.

Digitalisierungs-Strategie gilt als „überlebenswichtig“

So hat nach den Recherchen der Studienautoren eine Vielzahl der Versicherer zwar erkannt, dass eine Digitalisierungs-Strategie „entscheidend für die Frage des Überlebens“ sein wird. Knapp 60 Prozent zeigen sich zudem überzeugt, dass sich durch die Digitalisierung der Umsatz steigern lässt. 78 Prozent schätzen die Möglichkeit, dadurch die Kosten zu reduzieren, als hoch oder sehr hoch ein.

Den aktuellen Reifegrad ihrer Unternehmen und das dort vorhandenes Wissen, um diese Chance beispielsweise durch neue Produkte tatsächlich nutzen zu können, veranschlagen sie mit 36 Prozent jedoch als sehr niedrig. Wenn es um die Etablierung eines Multi-Access-Vertriebs geht, den 87 Prozent für erforderlich halten, sind es auch nur 42 Prozent.

Viele strukturelle und kulturelle Hürden

Als Digitalisierungshürden wurden insbesondere konservative Strukturen und traditionelle Kulturen, eine geringe Orientierung an den Kundenbedürfnissen sowie fehlendes Expertenwissen und hohe Investitionsbedürfnisse in unzureichende Infrastrukturen genannt.

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96 Prozent der Befragten erachten daher die Fähigkeit, eine Vision zu entwickeln und daraus eine Umsetzungsstrategie abzuleiten, für sehr wichtig oder zumindest wichtig.

Dazu werden vor allem die Mitarbeiter auf allen Ebenen in der Pflicht gesehen. Notwendig seien neue Kenntnisse und Kompetenzen, da altes Wissen obsolet werde – aber auch eine neue Unternehmenskultur im Hinblick auf die Art der Zusammenarbeit.

Top-Management muss künftig eine Affinität für digitale Technologien haben

Digitale Sachkompetenz im Top-Management wird ausnahmslos als künftig unumgänglich gesehen. Ähnliches gilt hinsichtlich einer grundsätzlichen Affinität für digitale Technologien sowie einer hohen Sensibilität beim Umgang mit Daten.

Der aktuelle Ist-Zustand in den Unternehmen wird allerdings auch in diesem Zusammenhang sehr nüchtern noch als sehr unzureichend eingeschätzt. Ebenso verhält es sich mit Blick auf die notwendige Veränderung bei der Führungskultur.

Es scheint, als hätten „die Top-Entscheider in den deutschen Versicherungen die ersten Zeichen zu notwendigen Veränderungen in Kompetenzen und Kulturen erkannt“, schließen die Studienautoren aus all dem. Für die Umsetzung der Ideen seien jedoch „viele Kompetenzcluster noch zu schwach besetzt“.

Zwei Drittel der deutschen Unternehmen sind elektronisch vernetzt

Ein spezieller Aspekt der Digitalisierungs-Problematik ist die IT-Sicherheit bei den mehr und mehr vernetzten Unternehmen.

Diesen beleuchtet eine neue Umfrage des Consulting-Unternehmens Sopra Steria Group (SOP). Dabei wurden im Juni und Juli 2015 im Rahmen der Potenzialanalyse „Digital Security“ 110 IT-Entscheider aus Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern interviewt.

Danach sind in Deutschland inzwischen rund zwei Drittel aller Unternehmen mit Geschäftspartnern wie Dienstleistern oder Kunden elektronisch verbunden. Im Finanzsektor sind rund 40 Prozent mit Lieferanten und Dienstleistern vernetzt.

Bedenkliche Sicherheitslücke trotz Zertifikaten

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Ein Viertel aller vernetzten Unternehmen habe bislang jedoch keine Mindestsicherheits-Maßnahmen mit seinen Partnern vertraglich vereinbart, wird in der Studie bemängelt. Damit könnten Unternehmen Sicherheitsvergehen zwar feststellen, aber nicht ahnden.

Bemerkenswert sei dies, weil gleichzeitig über zwei Drittel von ihnen von ihren Partnern eine Sicherheits-Zertifizierung verlangten. Nicht immer sei jedoch klar, ob die Zertifizierungsmaßstäbe bei den Partnern den unternehmenseigenen Sicherheits-Anforderungen genügten.

Eine Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY zeigt, durch welche Cyber-Angriffe sich Unternehmen zunehmend bedroht fühlen (VersicherungsJournal 19.11.2015).

Reinhold Müller

Quelle: VersicherungsJournal.de / Ausgabe vom 19.11.2015